Wutanfälle bei Deinem Kind? 

Mit diesen 13 Tipps reagierst Du gelassen und souverän!

Du kennst es.... Wutanfälle bei Deinem Kind...

Dein Kind schreit, es tobt, es wütet,

Du schreist, Du tobst, Du wütest.

Es wird geweint, sich vertragen und anschließend fühlst mindestens Du Dich schlecht und hast das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.

Dabei versuchst Du doch immer, ruhig und gelassen zu bleiben und positiv an die Sache ranzugehen, stimmt's?

Eins kannst Du mir glauben: Du bist damit nicht allein. Es geht ganz vielen Mamas so.

Aber bevor wir zu den 13 Tipps kommen, die Dir dabei helfen, in Zukunft gelassen und souverän auf die Ausraster Deines Kindes zu reagieren, lass uns mal schauen, woher die Wutanfälle bei Deinem Kind denn überhaupt kommen?

Warum muss mein Kind denn ständig ausrasten?

Du hast das sicher auch schon festgestellt;

  • die Wutanfälle und Ausraster Deines Kinds sind mal extremer, häufiger und anhaltender und 
  • mal läuft alles wie am Schnürchen und Du wunderst Dich abends, dass Dein Kind ausgerechnet heute nicht ausgetickt ist. 

Das hängt mit dem aktuellen Stresslevel Deines Kindes zusammen, denn...

Was passiert beim Stress eigentlich in unserem Körper?

In Stresssituationen kommt es zur Aktivierung der sog. Stressachse in unserem Gehirn. Der Sympathikus und sein Gegenspieler der Parasympathikus - das sind zwei Hirnnerven - werden stimuliert und schütten in der Folge unterschiedliche Stresshormone aus, wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortison. 

Welche Folge hat das?

Es kommt zu:

  • einer erhöhten Aufmerksamkeit. 
  • die Pupillen weiten sich, 
  • alle Sinne werden auf Aufnahme gestellt,
  • der Blutdruck steigt, 
  • die Herzfrequenz erhöht sich,
  • die Muskelspannung erhöht sich,
  • vielleicht fangen wir an zu schwitzen oder zu zittern,
  • die Blasen- und Darmtätigkeit wird in der Regel gehemmt.

Reaktionen auf so einen Stress können dann eben 

  • Flucht und Erstarren, d.h. eine komplette Verweigerung und Blockadehaltung oder
  • Kampf, d.h Wutausbrüche und Ausraster sein.

Und das Ganze hat der Körper nicht eingerichtet, damit wir uns mit unseren Kindern zoffen, sondern damit wir im Notfall vor einem wilden Tiger flüchten können. 

Genau dafür ist nämlich diese Stressachse im Gehirn eigentlich da. Damit wir - im Falle eines Angriffs - flüchten oder kämpfen können.

Wo ist das Problem?

Durch alles, was so täglich auf unsere Kinder einströmt, was sie alles zu tun haben mit der Schule, mit allen anderen Erwartungen und Anforderungen, die wir und auch teilweise die Kinder selbst an sich stellen, ist diese Stressachse bei manchen Kindern dauerhaft aktiv. 

Und das führt eben dazu, dass unsere Kinder ständig in so einem Modus sind von Flucht oder Kampf, Rückzug oder Wut.

Alle Maßnahmen und alles, was wir im Umgang mit unseren Kindern tun, sollte also zum Ziel haben, Stress zu reduzieren.

Mädchen schreit - Wutanfälle Kind


13 Tipps zum Umgang Wutanfällen 

1. Tipp: Finde die positive Absicht

"Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht." - ein Grundsatz des NLP, den wir eigentlich auf alles, was unsere Kinder betrifft bzw. alles, was im Umgang miteinander passiert, anwenden können.

Ich gehe immer von der Grundannahme aus, dass unsere Kinder uns nicht bewusst ärgern wollen. Es steckt immer irgendein tieferer Grund dahinter, irgendeine tiefere, positive Absicht. Die Kinder können es häufig nicht anders äußern als eben in diesem Wutausbruch oder in der Blockadehaltung, in ihren starken Emotionen.

Wie finde ich denn die positive Absicht in einer herausfordernden Situation wie einem Wutanfall bei meinem Kind?

Tritt einen Schritt zurück, begib Dich in die Welt Deines Kindes und schau aus der Perpektive Deines Kindes auf das Problem.


  • Was denkt es jetzt gerade? 
  • Wie fühlt es jetzt gerade? 
  • Warum verhält es sich so?
  • Und was könnte die positive Absicht hinter seinem Verhalten sein?


Ein Beispiel:

Dein Kind trödelt rum. Es macht nicht selbstständig seine Hausaufgaben. Ihr besprecht was zu tun ist und nach einer Stunde sind trotzdem nur 2 Sätze geschrieben.

Kennst Du, oder?

Ja genau, Dein Kind blockt dann entweder komplett ab, zieht sich zurück und verweigert alles. Oder es wird wütend, schmeißt das Heft durch die Gegend, schreit und wird aggressiv.


  • Versuche jetzt nicht Dein Kind davon zu überzeugen, dass es doch besser wäre, zu kooperieren, weil und sonst... und überhaupt...,
  • sondern guck, was Dein Kind gerade denkt, wie es sich fühlt und was die positive Absicht hinter dem Verhalten ist.


Eine kleine Hilfesteellung wie das besser gehen könnte:

Betrachtet gemeinsam die Situation, also die Wut oder den Ausraster von zwei Seiten. Guckt mal:

Was ist störend daran? Zum Beispiel, dass ich

  • wenn ich trödel, mit den Hausaufgaben nicht fertig werde, 
  • nach 2 Stunden nur einen Satz geschrieben habe,
  • dann keine Zeit zum Spielen habe, weil schon Abendbrotzeit ist, wenn ich endlich fertig bin,
  • mich nicht mehr verabreden kann, 
  • Streit mit Mama habe. 
  • böse auf Mama bin, 
  • traurig bin. 


Was ist hilfreich daran? Zum Beispiel, dass

  • Mama mir dann bei den Aufgaben hilft und mir alles nochmal erklärt,
  • wir dann gemeinsam nochmal über alles drübergucken, damit ich nichts vergesse,
  • ich in der Schule keinen Ärger bekomme, weil Mama an alles denkt,

Die positive Absicht könnte also Aufmerksamkeit sein: Mama nimmt sich extra Zeit für mich. Nur für mich ohne meine Geschwister. Ich sitze ja schon drei Stunden da und muss jetzt endlich fertig werden. Also nimmt Mama sich jetzt wirklich mal Zeit für mich.

Spannend, oder? 

Wenn ihr erkannt habt, dass es gar nicht um die Hausaufgaben geht, sondern eigentlich um die Aufmerksamkeit, könnt ihr eine Strategie erfinden, wie ihr diese Aufmerksamkeit außerhalb dieser Hausaufgabensituation sicherstellen könnt. 

Also wie Dein Kind das Gefühl bekommt: "Mama ist nur für mich da", ohne dass es drei Stunden an den Hausaufgaben sitzen muss.

Eine Lösung könnte sein, dass ihr euch irgendwann am Tag außerhalb der Hausaufgaben zu einer Exklusivzeit verabredet.

Ihr schaut dann, was ihr in dieser Zeit machen wollt:

  • lesen, 
  • kuscheln,
  • spazieren gehen,
  • spielen oder
  • einfach zusammen einen Film gucken. 

Welche Bedürfnisse habt ihr beide? Und wie könnt ihr das gegenseitig respektieren?

So kann sich aus der positiven Absicht, dass Mama dann Zeit hat, wenn ich vor dem Abendessen immer noch nicht fertig bin mit den Hausaufgaben, ein Plan für eine Exklusivzeit Mama-Kind entwickeln.

Ganz wichtig zu wissen ist, dass Dein Kind das alles nicht bewusst macht. Es trödelt nicht bewusst bei den Hausaufgaben, weil es sagt: "Dann hat Mama endlich Zeit für mich." Es ist ein unbewusstes Verhalten.  


2. Tipp: Hinterfrage Deine Regeln

Alle Sätze, die Du auf Nachfrage Deines Kindes mit: "Weil MAN das so macht" beantwortest, darfst du hinterfragen. 


Wie oft streiten wir uns und gibt es einen Riesenausraster wegen irgendwelcher Kleinigkeiten. Und erst hinterher denken wir dann:

  • Ja, warum muss man eigentlich wirklich zwingend vor jedem Essen die Hände waschen? 
  • Kann man nicht wirklich barfuß zum Spielplatz gehen? 
  • Muss man wirklich direkt nach der Schule und vor dem Spielen Hausaufgaben machen? 

Jeder darf solche Regeln haben und jeder von uns hat auch sicher solche Regeln. Aber wenn diese Regeln zum Streit führen und immer wieder zum Streit führen, dann darfst du diese auch einfach mal hinterfragen. Und versuche dabei die Angst abzulegen, dass alles aus dem Ruder laufen könnte, wenn dein Kind doch mal barfuß zum Spielplatz gegangen ist. 

Neulich bin ich über so einen tollen Post gestolpert von Nora Imlau, die u.a. wundervolle Elternratgeber schreibt, wie z.B. "So viel Freude - so viel Wut."  Da heißt es:."Dich ernst nehmen. Das heißt auch: Sagst du, dass dir warm ist, zwinge ich dir keine Jacke auf, keinen Schal und keine Mütze. Und so gehen wir zum Spielplatz. Ich eingemummelt wie eine Polarforscherin, du im grünen Sweatshirt. Ich mit warmen Sachen für dich in meiner Tasche für alle Fälle. Du mit Rubbel unter dem Arm. Und dann springst du auf dem Trampolin und ich sehe dich, deine Energie, deine Leidenschaft, deine Ausdauer. Und ich denke: Kein Wunder, dass du keine Jacke brauchst, selbst wenn Schnee liegt. Wie gut, dass du das weißt."

Und ich wette, Nora hätte einen Wutanfall riskiert, wenn sie darauf bestanden hätte, dass ihr kleiner Sohn in dieser Situation eine Jacke anzieht. Doch sie hat die Jacke einfach eingepackt und hat ihn so zum Spielplatz gehen lassen. Sie hat im Sinne der Familienharmonie eine Regel einfach mal hinterfragt. 


3. Tipp: Differenziere den Entwicklungsstand Deines Kindes

Ganz oft kommt es zu Streit und Wutanfällen bei Deinem Kind, wenn der Anspruch an unser Kind nicht zu seinem Entwicklungsstand in dem bestimmten Bereich passt. 

Es gibt z.B. Kinder, die schon sehr selbstständig sind in vielen Dingen.

  • allein mit dem Fahrrad zum Fussballtraining fahren, 
  • selbständig Einkaufen gehen oder
  • ohne Mama zum Friseur
  • andererseits aber jede Nacht zu Dir ins Bett kommen. 

Versuche mal, Dein Kind in der jeweiligen Situation so zu behandeln, wie es seinem Entwicklungsstand in diesem Bereich entspricht.

  • Wo darfst Du mehr fordern und 
  • wo darfst Du einen Schritt zurückgehen?

Du musst dann nicht streiten, weil Dein Kind in diesem Bereich einfach noch nicht so weit ist, obwohl es eigentlich seinem Alter entsprechen würde,


4. Tipp: Keine Kämpfe am Abend.

Ziel sollte es immer sein, abends entspannt und ohne Streit zu Bett zu gehen, das schafft einen wichtigen Rahmen für Dein Kind. Ja ich weiß, dass genau das oft die Zeit ist, wo es eben Streit gibt.


Und warum ist das so? Weil das Stresslevel der Kinder dann eben ganz oben ist. Weil der Tag schon häufig so angespannt war, dass dann das, was beim Zähneputzen noch passiert, das Fass zum Überlaufen bringt so dass es genau dann eben doch noch zum Streit kommt. 


Wenn Du das aber das schon weißt und mit dieser Einstellung, dass vielleicht nach 18 Uhr alles mit einem noch tieferen Durchatmen und Regeln hinterfragen einhergehen darf in den Abend startest, dann kann das einen sicheren Rahmen für Dein Kind schaffen. 

Damit es einfach mit einem guten Gefühl ins Bett gehen kann.


5. Tipp: Keine Angst vor der Schule

Versuche, die Angst vor dem Versagen Deines Kindes abzulegen. Es wird seinen Weg gehen. Wie auch immer der aussehen mag. Und ganz wichtig ist mir: Stelle Dich auf die Seite Deines Kindes. 


Viele Kinder, die im Coaching zu mir kommen, fühlen sich alleingelassen, wenn es um das Thema Schule geht. Sie sehen, dass sowohl die Lehrer auf sie einreden mit: "Das machst Du nicht richtig und das machst Du nicht richtig und das machst Du nicht richtig."  Als auch die Mama in das gleiche Horn bläst und sagt: "Ja, aber Du musst doch noch dies und Du musst doch noch das." dann haben die Kinder das Gefühl, sie müssten sowohl gegen die Schule als auch gegen ihre eigene Mama kämpfen. Sie sehen Schule und Eltern dann als eine Einheit, die gegen sie kämpfen. 


Fokussiere Dich auf die Stärken Deines Kindes und nicht auf die Schwächen. Und Du darfst auch Deine eigenen Glaubenssätze zum Thema Bildung, Schule und Beruf mal hinterfragen. Es führt ganz häufig zum Streit und zu Wutanfällen bei Deinem Kind oder zu Blockadehaltung, wenn die Kinder unsere Erwartungen nicht erfüllen. Und das auch, wenn wir diese gar nicht äußern, sondern wenn sie tief in unseren Glaubenssätze verankert sind.


6. Tipp: Lass Dich von Deinem Kind leiten

Das ist das Allerwichtigste, um Stress zu vermeiden und Stress frühzeitig zu erkennen, bevor es zu Wutanfällen bei Deinem Kind oder zum kompletten Abblocken kommt. 

  • Wie ist der Tag bisher gelaufen. 
  • Welche Bedürfnisse kannst Du gerade bei Deinem Kind wahrnehmen? 
  • Welcher Termin muss jetzt wirklich noch sein?

Dein Kind geht unglaublich gerne zum Fußballtraining. Aber heute ist es vielleicht einfach zu viel. Wenn es unbedingt will, ok. Aber wenn Du selbst schon so ein Gefühl hast und Dein Kind signalisiert Dir: "Puh, der Trainer hat zwar gesagt, wir müssen heute kommen, aber irgendwie haben wir jetzt alle gerade keine Lust mehr und die Luft ist raus."  Dann muss dieser Termin jetzt vielleicht wirklich nicht mehr sein. Frage Dich stattdessen was könnte Dein Kind jetzt brauchen? 

Weniger ist immer mehr. Und Beziehung ist alles.


7. Tipp: Natürliche Autorität

Gleichwürdigkeit, das ist ein großes Ziel in der Erziehung. Es bedeutet, dass alle Personen der Familie dasselbe Recht auf Würde haben. Das ist aber nicht gleichzusetzen mit Gleichberechtigung. Nicht alle haben die gleichen Entscheidungsrechte.

Kinder brauchen Erwachsene, die Halt und Orientierung geben. Das gibt ihnen eine tiefe Bindungssicherheit. Und Du darfst hier Vertrauen in Dein eigenes Vorbild haben.

Lass uns nochmal zu der Geschichte von vorhin gehen, zu dem kleinen süßen Jungen auf dem Trampolin ohne Jacke. Das war eine Situation, in der die Mama sagen konnte: "O.k. Er hat entschieden, er geht ohne Jacke. Ich nehme die Jacke mit. Wenn ihm trotzdem kalt ist, kann er die Jacke anziehen."

In Fällen, wo Dein Kind sagt: "Ich will jetzt ohne Helm fahrradfahren" geht das natürlich nicht. Da geht es um Deine natürliche Autorität. Und da ist es auch ganz wichtig, zu unterscheiden und dann nicht mit Deinem Kind zu argumentieren: "Okay, dann versuch mal ohne Helm zu fahren und dann gucken wir, ob das nicht vielleicht doch weh tut, wenn Du auf den Kopf fällst." 


Tipp 8: . Sei da

Aber Du musst nicht sofort auf alles reagieren. Natürlich müssen wir den akuten Bock, der gerade tobt irgendwie einfangen und die Wutanfälle bei Deinem Kind irgendwie wieder in ruhige Kanäle bringen. Aber wenn es gerade nicht passt, weil Du etwas anderes Wichtiges zu tun hast, dann ist es besser, Du glättete nur kurz die Wogen und alles andere passiert zu einer anderen Zeit. 

Das ist allemal sinnvoller, als dass Du nebenbei versuchst, mit Deinem Kind zu kommunizieren. Denn dein Kind merkt, wenn Du nicht voll bei der Sache bist, sondern nebenbei kommunizierst

Nimm Dir also wirklich bewusst Zeit für Dein Kind und seine Bedürfnisse. Nicht alles ist gleichzeitig wichtig. 

Wir Mamas haben ständig unterschiedliche Hüte auf. (Mama-Coach Katja Piefke stellt das in ihren Kursen immer so wundervoll dar.) Du hast zeitweise den Mama-Hut auf, dann hast Du den Office-Hut auf. Dann hast Du den Partnerinnen-Hut auf oder Du hast den Sabine-, Andrea-, Martina- oder Vera-Hut auf! 

Und all diese Hüte passen Dir nicht gleichzeitig. Du darfst wirklich genau schauen, in welcher Rolle Du jetzt gerade bist. Und es bringt nichts, wenn Dein Kind einen Wutanfall hat und ein klärendes Gespräch erforderlich ist, Du aber in 5 Minuten einen wichtigen Termin mit Deinem Chef per Videokonferenz hast. Wenn Du jetzt versuchst, z.B. über die positive Absicht der Wutanfälle bei Deinem Kind zu reden, wird das nicht zu einem guten Ende führen. Versuche stattdessen nur kurz die Wogen zu glätten, damit Du weiterhin Deinen Office-Hut jetzt aufhaben kannst. Und den Mama-Hut setzt Du dann später auf und klärst die Situation mit Deinem Kind.  


Tipp 9: Kommuniziere richtig

Die wichtigesten Punkte, um richtig zu kommunizieren sind:

  • ein klares Signal der Aufforderung zur Kommunikation. Ein Signal, das Deinem Kind klar macht, jetzt konzentrieren wir uns aufeinander. 
  • der direkte Blickkontakt. Versuche also nicht ein wichtiges Gespräch mit Deinem Kind zu führen und nebenbei im Kochtopf zu rühren oder Wäsche zusammenzulegen.
  • Authentizität. Dein Kind merkt, wenn Du anders fühlst, als Du redest. Denke z.B. hier an das Thema Glaubenssätze. Wenn Du z.B. Deinem Kind sagst:" Naja, das ist nicht schlimm, dass Du die Mathearbeit verhauen hast" und eigentlich denkst Du aber: "Scheiße, hätte sie doch nur mehr gelernt, wäre das nicht passiert." Dann merkt Dein Kind das. 
  • Keine Ja-Nein-Fragen, Nicht: "Wollen wir jetzt Zähneputzen gehen?" sondern "So, in 5 Minunten gehen wir Zähneputzen und dann lese ich Dir im Bett noch eine Geschichte vor."
  • Klarheit.

Hier möchte ich eine kleine Geschichte mit Dir teilen. Die Geschichte von Yuri. (Quelle: So viel Freude - so viel Wut, von Nora Imlau, S.177)

Hausaufgaben waren mit Yuri immer ein Riesentheater. Er tobte, er schrie, er zerriss sein halbes Arbeitsheft, pfefferte seinen Füller in die Ecke und irgendwann lagen bei uns allen die Nerven blank. Am Ende dieser Ausbrüche stand dann irgendeine halbseidene Lösung. Mal einigten wir uns darauf, dass er nur die Hälfte macht. Mal schrieb ich ein Wort für ihn und dann wieder er eins und dann wieder ich. Mal lobten wir für jede Zeile im Matheheft ein Bonbon als Belohnung aus, mal schrieben wir ihm eine Entschuldigung, weil er uns so leid tat in all seiner Verzweiflung, mal drohten wir mit Fernsehverbot, bis die Hausaufgaben erledigt wären. Und egal was wir taten, am nächsten Tag ging der Kampf von vorne los. 

Irgendwann nutzten wir das Angebot unserer Schule, mit einer Erziehungsberaterin zu sprechen. Nachdem wir ihr unser Leid geklagt hatten, fragte sie uns: "Wie kriegen Sie Ihren Sohn eigentlich dazu, jeden Tag die Zähne zu putzen?" Wir guckten sie verblüfft an. Zähne putzen war bei uns noch nie ein Thema gewesen. War einfach immer klar. Das gehört dazu. "Und Hausaufgaben gehören auch dazu?" fragte die Erziehungsberaterin. 

Da merkten wir, dass wir Yuri gegenüber da in unserer Haltung total unklar gewesen waren. Klar wollten wir, dass er seine Aufgaben macht. Gleichzeitig waren wir aber auch unsicher, ob wir ihm damit nicht zu viel zumuten. Wir waren genervt von all den Konflikten. Irgendwie auch sauer auf die Schule, dass sie uns diesen Stress antat und voller Mitleid uns selbst und unserem Sohn gegenüber. Klar, dass Yuri da spürte: "Hier gibt's eine Menge Verhandlungsspielraum. Mama und Papa wissen selbst nicht genau, was sie wollen. Hantieren mit Bonbons und Entschuldigungen und Fernsehverbot und glauben selbst nicht, dass ich die Hausaufgaben einfach so mache." Insofern kooperierte er in gewisser Weise sogar mit uns. Er erfüllte unsere unbewussten Erwartungen, dass das mit den Hausaufgaben sicher wieder ein Drama werden würde.

Nach dem Gespräch mit der Erziehungsberaterin sagten wir zu Yuri: "Du hast jeden Tag Hausaufgaben auf und wir erwarten von Dir, dass Du sie erledigst. Wir vertrauen darauf, dass Du zu uns kommst, wenn Du Hilfe brauchst. Viel Erfolg." 

Zunächst war Yuri total verblüfft und natürlich probierte er auch gleich mal aus, was passiert, wenn er keine Hausaufgaben macht. Seine Lehrerin sagte: Yuri, ich erwarte von Dir, dass Du Deine Hausaufgaben machst." Wir Eltern sagten das Gleiche mit innerer Ruhe und völliger Klarheit,

Und Yuri setzte sich hin und machte seine Hausaufgaben ohne Streit, ohne Geschrei. Fast wirkte er erleichtert, dass wir endlich alle wussten, was wir von ihm wollten.


Tipp 10: Übergib Verantwortung

Du könntest z.B. eine Vertrag mit Deinem Kind abschließen in dem es sich verpflichtet, über einen gewissen Zeitraum selbst auf seine Aufgaben und To Do's zu achten.

Vielleicht in der Art: "In dieser Woche bestimme ich selbst zu welcher Zeit ich meine Hausaufgaben mache. Ich plane mir genug Zeit ein, damit vor dem Schlafengehen alles erledigt ist. Mama quatscht mir da nicht rein. Wenn das gut klappt diese Woche, darf ich auch in der nächsten Woche bestimmen wann ich meine Aufgaben mache. Klappt es nicht, darf Mama wieder sagen wann ich meine Hausaufgaben mache."

Diese Eigenverantwortung ist für die allermeisten Kinder sehr motivierend und Du wirst staunen wie stressfrei die Hausaufgabensituation in Zukunft vonstatten geht.


Tipp 11: Dein Kind will Dich nicht ärgern

  • Es hat aktuell keine andere Handlungsalternativen zur Verfügung. 
  • Es kann nicht anders handeln, sondern hat ein wirkliches Bedürfnis.
  • Es steht unter Stress, wenn es so einen Wutausbruch oder eine Blockadehaltung zeigt. 
  • Es hat ein wirkliches Bedürfnis und kann es nicht anders mitteilen, als sich so zu verhalten.

Das Ganze passiert unbewusst und bis Dein Kind lernt, sich so zu reflektieren und anders zu handeln, dauert es eine ganze Weile. Und wie wir vorhin ja schon gesehen haben, ist es auch für uns schwer, unsere Emotionen zur Seite zu schieben und reflektiert zu handeln


Tipp 12: Höre auf Dein Bauchgefühl

Wenn die liebe Verwandtschaft Sätze von sich gibt wie:

  • "Wenn Du das durchgehen lässt, dass Dein Kind sich aussuchen darf, was es anziehen möchte, dann kriegst Du später noch Spaß."
  • "Waaas Dein Kind darf selbst entscheiden, wann es Hunger hat? Feste Essenszeiten sind so wichtig."
  • "Na, der wird es im Leben schwer haben, wenn Du ihn so weitermachen lässt."

All diese Sätze hast Du vielleicht schon mal gehört, stimmt's? Oder sie sind Dir selber als Kind gesagt worden und somit tief in Deinem Unterbewusstsein verankert. 

Zum Glück haben wir Mamas aber oftmals noch einen anderen Ratgeber: unser Bauchgefühl. Und dieses Bauchgefühl wieder laut werden zu lassen, ist ganz, ganz wichtig. Du bist am nächsten dran an Deinem Kind. Und was Dein Bauchgefühl sagt, ist meistens das Richtige.

Was andere Menschen über Dich und Dein Kind denken, sagt ganz viel über sie aus und nichts über dich. 


Tipp 13: Sei Du der Leuchtturm

Mit jedem Gefühl, das Dein Kind äußert, teilt Dein Kind Dir etwas mit. Es macht sich Luft und es sagt Dir: "Es geht mir nicht gut."

Ganz wichtig bei einem Wutanfall, einem Ausraster bei Deinem Kind ist, dass Du Dich da nicht reinziehen lässt, wenn es schwierig wird. Häufig ist das besonders schwer, wenn die Kinder uns so sehr ähnlich sind und wir die gleichen Trigger und die gleichen Auslöser haben, um wütend zu werden und auszurasten. Es ist aber ganz entscheidend, dass Du Dich eben nicht mit reinziehen lässt, sondern dass Du ein klarer Erwachsener bleibst, der wie ein Leuchtturm fungiert und sagt: "Du darfst so fühlen, wie Du es gerade tust. Ich halte Dich und wenn Du soweit bist, dann helfe ich Dir da raus."

Mein Lieblingstipp zum Schluss: Reframing

Das Reframing ist eine Methode aus dem NLP (Neurolinguistisches Programmieren), die dazu beiträgt, dass wir eine andere Sichtweise auf eine Situation bekommen. Wir geben dem Bild einen anderen Rahmen (frame) und plötzlich wirkt der Inhalt ganz anders.

Ein Beispiel:

Du kommst nach Hause, es sieht aus als hätte eine Bombe eingeschlagen und Du sagst: "Boah, hier liegen wieder tausende dreckiger Schuhe im Flur." 


Du regst Dich auf und wirst immer ärgerlicher. 


Wenn Du jetzt die Methode des Reframing anwendest, sähe die Situation so aus:

Du trittst einen Schritt zurück, atmest tief durch und sagst mit einem Lächeln im Gesicht: "Es sind liebe Menschen im Haus."

Ja, das Ganze ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu sehen. Und es braucht ein wenig Übung bis es Dir wirklich gelingen wird, so zu denken. Aber genau das ist die Methode des Reframing: eine Situation in einen anderen Rahmen packen zu und dann eine Aussage dazu finden, mit der Du viel, viel besser und viel positiver umgehen kannst.


Vergiss bitte nicht: 

Es geht niemals ums Prinzip, sondern immer darum wie wir miteinander umgehen.


Tolle Übungen inkl. Videoanleitung findest Du auch in meinem 

Praxisratgeber Wut

"Mein Kind rastet ständig aus - was tun?"

Weitere Tipps, wie Du die Wutanfälle Deines Kindes schimpffrei begleitest, findest Du auf der Seite meiner lieben Kollegin Birgit Gattringer. KLICKE hier.

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