Du willst Dein Kind motivieren - so geht's!

Du kannst es nicht mehr hören, stimmts? Diese ewigen Homeschooling Tipps und gute gemeinten Ratschläge wie Du Dein Kind motivieren kannst: macht euch einen Plan, setzt euch ein Tagesziel und das ganze Bla, Bla.

Ist ja alles schön und gut aber was mache ich denn, wenn mein Kind einfach keinen Bock hat?


„Was ist das größte Problem, wenn Du Dein Kind motivieren willst?“


In meinen Kursen stelle ich diese Frage regelmäßig und hier siehst Du was "meine" Mamas antworten:

  • eine große Herausforderung ist die Ablenkung im Außen,
  • das ins Tun kommen,
  • der Frust
  • Null-Bock-Haltung meines Kindes
  • die Unsinnigkeit mancher Aufgaben
  • die Nerven nicht zu verlieren.


Lass uns mal über folgende Dinge nachdenken


1. Was motiviert Dich persönlich?

Vielleicht magst Du Dir einmal Gedanken darüber machen, was dich selbst ganz persönlich motiviert. 

Was sind die Dinge, die dich antreiben?

  • Ist es die Anerkennung von außen?
  • Das Lob des Chefs oder des Kollegen?
  • Das Erreichen Deines selbst gesetzten Ziels?
  • Die Genugtuung und das tiefe Gefühl etwas geschafft zu haben?


2. Was ist Motivation überhaupt?

Wikipedia sagte dazu. Motivation bezeichnet die Gesamtheit aller Motive, aller Beweggründe, die zur Handlungsbereitschaft führen und das auf emotionaler neuronaler Aktivität beruhen, beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Ziel Objekten. (https://de.wikipedia.org/wiki/Motivation)


a) Das Modell der Grundmotive der Motivation nach McClelland


Der US amerikanische Verhaltens und Sozialforscher David Clarence McClelland (1917-1988) hat ein besonderes Modell entwickelt, und zwar das Modell der Großen drei Motive der Motivation. „Big Three“ nennt er das und er hat herausgefunden, dass die Bereiche Macht, Leistung und Zugehörigkeit die drei großen Dinge sind, die uns motivieren.

Übersicht der 3 Grundmotive Zugehörigkeit, Macht, Leistung - Kind motivieren

Da gibt es als erstes den Bereich Zugehörigkeit. Ein Grund für meine Motivation könnte also sein, dass mein Beitrag beachtet wird und dass ich integriert werde. Mein Wunsch nach Sicherheit, Zuwendung, Geborgenheit und Freundschaft ist ein Motivationsfaktor. Dem gegenüber stehen eben die Ängste und Befürchtungen, ungeliebt zu sein, ausgeschlossen und alleingelassen zu werden und das Gefühl, wertlos zu sein.


Ein zweites Grundmotiv diesem Schema zufolge, ist das Motiv der Macht. Eine Motivation könnte also sein, Kontrolle, Dominanz, Einfluss zu haben, in Entscheidungen eingebunden zu werden. Demgegenüber steht wieder die Angst oder die Befürchtung, die Kontrolle zu verlieren, unbedeutend und unwichtig zu sein und das Gefühl der Ohnmacht.

Der dritte Bereich nach McClelland ist der Bereich der Leistung: Motivation durch Leistung. Ich möchte, dass meine Leistung anerkannt wird, dass ich Erfolg habe, dass ich Fortschritt sehe und dem gegenüber steht die Angst, ein Versager zu sein, ein Verlierer.

b) Die Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow


Die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow (1908-1970) einem US-amerikanischen Psychologen, beschreibt auf einfache Art und Weise die menschlichen Bedürfnisse und Motivationen in einer hierarchischen Struktur.

5 Hierarchiestufen der Menschlichen Bedürfnisse - Kind motiviern

Quelle:Canva; SIphotography Getty Images Pro Maslow's pyramid of needs. Closeup portrait smart boy analyzing human needs

Es gibt also zunächst einmal Stufe 1 (ganz unten): die psychologischen Bedürfnisse. Das sind Hunger, Durst, Schlaf und Sexualität. Das sind die Grundbedürfnisse des Menschen.

Danach geht's in Stufe 2 um Geborgenheit und um Schutz der eigenen Person.

Stufe 3 beschäftigt sich mit den sozialen Bedürfnissen. Da geht es um das Zugehörigkeitsgefühl, um Freundschaft und darum zu einer Gruppe zu gehören.

In Stufe 4 geht es um die Themen Anerkennung und Status sowie Wertschätzung.

Und Stufe 5 erreicht dann die Selbstverwirklichung, die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.

Häh, und was hat das alles mit meinem Kind zu tun?

Wenn wir uns jetzt einmal Dein Grundschulkind vorstellen (ich arbeite ausschließlich mit Kindern zwischen 6 und 12 Jahren) dann sind wir uns wahrscheinlich einig, dass diese Kids noch nicht auf Stufe 5 sind. Im Bereich der Selbstverwirklichung, Entfaltung der Persönlichkeit. Da kommen viele von uns so naja, ich sag mal so, Ende oder Mitte des Lebens hin. So vierzig, fünfzig. Da kommen wir auf die Idee, dass wir uns selbst verwirklichen wollen und endlich das tun wollen was uns wirklich erfüllt… etwas, wofür wir eigentlich geboren sind.

Wir sind uns sicher auch einig, dass unsere Kinder noch nicht um Status und Anerkennung heischen. Dass es ihnen also nicht wichtig ist, ob sie einen gewissen Status in der Gesellschaft erreicht haben.

Nein, unsere Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren befinden sich hier in diesem Modell zwischen Stufe 2 und Stufe 3.

Ihnen ist natürlich wichtig, dass sie geborgen sind und dass ihre Person geschützt wird. Und Sie sind jetzt schon in einem Alter, wo auch das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe und das Thema Freundschaft wichtig sind. Also unsere Kinder bewegen sich hier im Bereich zwischen Stufe 2 und Stufe 3.

Wenn wir jetzt mal beide Motive oder beide Schemata vergleichen, also die Grundmotive nach McClelland und die Maslowsche Bedürfnispyramide, dann wird ganz klar, was unsere Kinder motiviert.


Zugehörigkeit, Sicherheit, Zuwendung, Geborgenheit und Freundschaft. 

Das sind wichtige Themen für unsere Kinder und das motiviert sie.



3. Welche Fehler machen wir Eltern?

Aber was tun wir, wenn es um das Thema Schule, Hausaufgaben und Lernen geht?

Motivieren wir auf der Ebene Zugehörigkeit, Geborgenheit, Freundschaft?

Nein, wir motivieren auf der Ebene Macht, Kampf und Wettbewerb, stimmt's?

  • Wer ist besser in der Klasse?
  • Warum hast Du nicht die Eins geschrieben?
  • Du hast eine 3… wie ist denn der Noten Spiegel?

Ja, es ist der Wettbewerb und es ist der Leistungsbereich, über den wir motivieren. Um besser zu werden z.B. um in der nächsten Englischarbeit keine 4 zu schreiben, sondern eine 3! Ich fand das ganz erschreckend, als schon in der 1. Klasse bei meinem großen Sohn ein Notenspiegel ausgeteilt wurde.


Aber genau das ist nicht der Weg wie wir unsere Kinder motivieren können. Sondern über die Themen Zugehörigkeit, Sicherheit, Geborgenheit, Freundschaft.

Und genau darum ist die Beziehung zu Deinem Kind wichtiger, als das 25. Arbeitsblatt.


Du verstehst jetzt sicher was ich damit meine, oder?

Was müssen wir also stattdessen tun?

Ein Beispiel, das Du sicher kennst:

Peter ist in der 5. Klasse. Er ist ein durchschnittlicher Schüler, steht in den meisten Fächern 3 bis 4. Nur in Englisch da schafft er es irgendwie nicht, von der 5 wegzukommen. Aufgrund der Krankheit seines Englischlehrers bekommt er plötzlich zum Halbjahreswechsel eine neue Lehrerin in diesem Fach. Und plötzlich wandelt Peter sich vom 5er-Kandidaten zu einem 2er-Schüler in Englisch.

Was war denn jetzt passiert? Die neue Lehrerin hatte eine andere Art, die Kinder zu motivieren und mitzureißen. Sie stellte die Teamarbeit in den Vordergrund, stärkte dadurch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Klasse, erkannte das Potenzial in Peter und schaffte es, ihn auf der Beziehungsebene zu motivieren. Die Schüler-Lehrer-Beziehung und die damit einhergehende Wertschätzung war hier der ausschlaggebende Punkt für die Veränderung.

Also was kannst du tun?


4. So motivierst Du Dein Kind richtig

 a) Fokussiere Dich auf die Stärken Deines Kindes

Der erste und wie ich finde, wichtigste Schritt: Fokussiere dich auf die Stärken deines Kindes! Wir leben leider in einer defizitorientierten Gesellschaft, die ständig versucht Schwäche auszugleichen, anstatt Stärken zu fördern.

Daher möchte ich Dir hier eine kleine Aufgabe mit auf den Weg geben: beantworte heute Abend, am Ende des Tages, einmal ganz bewusst folgende Fragen:

  1. Was finde ich an meinem Kind ganz besonders wundervoll?
  2. Wann hat es heute etwas besonders toll gemacht?
  3. Wofür liebe ich mein Kind?

b) Stelle Dich auf die Seite Deines Kindes

Das klingt vielleicht komisch und Du sagst sicher: „Ja, das mach ich doch. Natürlich bin ich auf der Seite meines Kindes.“. Aber was passiert wirklich?

Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich von ihren Eltern verlassen. Sie haben durch unsere Fragen häufig das Gefühl, dass sowohl die Lehrer und die Schule als auch die Eltern gegen sie sind. Dass sie gegen alle kämpfen müssen.

Allein dadurch, dass Du fragst

  • „Wie läuft's in der Schule?“ und 
  • „Was hast Du da gemacht?“ und
  • „Warum sind denn die anderen besser?“ und
  • „Was hat denn heute nicht geklappt?“

 hat Dein Kind das Gefühl, auch gegen Dich kämpfen zu müssen. Die Schule und die Eltern bilden in ihren Augen eine Einheit gegen sie.

  • „Warum dreht sich denn immer alles nur um die Schule, Mama?“
  • “Wieso musst Du Dich denn da so für interessieren?“
  • „Musst Du Dich denn da einmischen?“
  • „Interessiert Dich denn nichts anderes als die Schule?“

 Kennst du sowas? Und allein durch Deine lieb gemeinten Fragen kann es schon passieren, dass Dein Kind sich in die Enge gedrängt fühlt.


c) Nimm die Gefühle Deines Kindes ernst

Gefühle stehen nicht zur Diskussion!

Sie sind gut und richtig, so wie sie sind. Versuche auch nicht, Dein Kind zu beruhigen:

  • „Du brauchst doch keine Angst haben, vor der Klasse zu sprechen.“ oder
  • „Vor der Mathearbeit brauchst Du keine Angst zu haben.“ oder
  • „Deine Blockadehaltung bringt jetzt doch nichts.“ und
  • „Deine Wut bringt Dir doch nichts.“

Gefühle stehen nicht zur Diskussion. Angst und Wut, das sind Gefühle, die Dein Kind nicht bewusst steuert in diesem Moment. 

Und wenn Du ihm sagst, dass es keine Angst haben braucht, vermittelst Du Deinem Kind das Gefühl, dass es etwas falsch macht, dass es nicht richtig ist, so wie es ist und es fühlt sich wieder alleingelassen.

Also, nimm die Gefühle Deines Kindes ernst…sie stehen nicht zur Diskussion. Höre einfach zu und schenke Deinem Kind Deine Aufmerksamkeit.


d) Erlaube Deinem Kind zu motzen

Das fällt manchmal sicher schwer. Aber wenn ich in meinen Coachings höre, dass die Kinder zuhause ihre Luft rauslassen, dann ist es gut und wichtig so. Wutanfälle werden erst dann problematisch, wenn sie auch in der Schule passieren und außerhalb des häuslichen Umfelds. Aber wenn dein Kind zuhause in der geschützten Umgebung seinen Frust rauslässt, dann ist es gut.

Wut und Ärger müssen raus und dürfen gelebt werden.

Schimpfen und Motzen in geschützter Umgebung zu Hause sind somit eigentlich ein gutes Zeichen. Sie zeugen davon, dass Dein Kind auf einem guten Weg ist, mit seinen Gefühlen umzugehen und sie da abzulassen, wo es geht.


e) Schaue auf die positive Absicht

Das passt so ein bisschen zum ersten Tipp: Richte Deinen Fokus auf die Stärken Deines Kindes, weg von seinem vermeintlichen Fehlverhalten und schau mal: Was ist die positive Absicht hinter dem Verhalten Deines Kindes?

Ein Beispiel: Peter sitzt an den Hausaufgaben und kann sich nicht motivieren, die Aufgaben zu lösen. Seine Mutter setzt sich immer wieder neben ihn, ermuntert ihn, mahnt schließlich und droht. Kurz kann Peter seine Aufmerksamkeit immer mal wieder auf die Aufgaben richten. Aber nach anderthalb Stunden ist sein Blatt noch so gut wie leer. Seine Mutter kreist ständig um ihn herum, setzt sich immer wieder zu ihm und wird schließlich wütend.

Was ist die positive Absicht hinter Peters Verhalten? Durch sein Verhalten bekommt Peter die uneingeschränkte Aufmerksamkeit seiner Mutter. Diese setzt sich immer wieder neben ihn, kümmert sich und auch wenn sie schließlich wütend wird, gilt ihre Aufmerksamkeit Peter allein. All das geschieht unbewusst. Peter hat im Moment keine andere Handlungsalternativen, auf die er zurückgreifen könnte. Kennst du solche Situationen?


f) Schließe einen Vertrag mit deinem Kind

Ich habe das auch mit meinem Großen gemacht und es hat eigentlich wirklich sehr gut funktioniert, muss ich sagen.

Denn das Recht auf Mitbestimmung motiviert ungemein. Es stärkt die Selbstverantwortung und die eigene Kontrolle wird gefördert. Der Vertrag, den wir hier zu Hause geschlossen haben, lautete:

In den nächsten 2 Wochen darf ich ….. (Name Deines Kindes) bestimmen, wann ich mich zum Lernen hinsetzen möchte.

Mama sagt dazu nichts und lässt mich einfach machen.

Ich plane mir meinen Tag so, dass alles vor dem Abendessen fertig ist und bin dafür verantwortlich, dass ich mich an meinen Plan halte.

Wenn das gut klappt und ich mich an den Plan halte, verlängert sich der Vertrag für weitere 2 Wochen.

Wenn ich es in den 2 Wochen mehr als 2x nicht schaffe, alles rechtzeitig zu erledigen, darf Mama in der folgenden Woche wieder bestimmen wann ich was mache.

Unterschrift, Kind,

Unterschrift, Mama. 


Probier’s mal aus.


g) Vertiefe die Beziehung zu Deinem Kind

Klar war hier gemeint ist, oder?

  • Eine kurze Umarmung, ein liebes Wort, ein Kuss…
  • Höre wirklich zu und nicht nur nebenbei.
  • Kuschelt einfach mal ganz ohne Grund einfach so
  • Kommentiere dein Verhalten nicht, sondern lass es einfach so wirken.


h) Nutze Traumreisen, um Dein Kind zu motivieren

Traumreisen steigern die Phantasie, helfen zu entspannen, trainieren die Konzentration und sind eben wunderbar geeignet wenn Du Dein Kind motivieren möchtest. In Traumreisen ist es z.B. möglich, Ziele vorab zu erleben z.B. die Mathehausaufgaben endlich erledigt zu haben oder die Englischarbeit endlich hinter sich gebracht zu haben.

Wenn dein Kind in der Lage ist, dieses Gefühl, diese Vorfreude vorab zu spüren, dann wird es ungemein motiviert dadurch.

 Wenn Du erfahren möchtest, wie Du Traumreisen selbst gestaltest, empfehle ich Dir meinen Blogartikel zu diesem Thema Traumreisen

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